Die komplette Analyse, die akustische Messungen und eine Simulation in EASE enthält, kann ich nicht zur Verfügung stellen. Allerdings kann ich die akustische Grundidee des Saals etwas erläutern. Bilder und ein Grundriss mit unseren Messpositionen sind hier zu finden.

Grundfläche

Als erstes fällt auf, dass der Saal asymetrisch gebaut ist. Hierdurch ergeben sich einige Besonderheiten. Man vermeidet parallele Wände, was zu Raummoden führen würde. Wenn man den Raum betrachtet, gibt es so gut wie keine parallelen Wände.

Nichtsdestotrotz kann man Erhöhungen im Raum nicht verhindern, denn Moden können auch  durch eine oder mehrere Reflexionen entstehen.

Nach Ahnert & Tennhardt (Glen Ballou – Handbook for Sound Engineers) entstehen an bestimmten Raumpositionen Überhöhungen von bis zu 10 dB. Bei dieser Annahme beziehen sich die Autoren auf eine gleichbleibend gekrümmte Grundfläche. Die Miralles-Saal Grundfläche ist rundlich, aber ganz und gar nicht gleichbleibend gekrümmt. Somit sollte der Saal von dieser zuvor genannten Erhöhung nicht unbedingt betroffen sein.

Bühne

Mit dem Wissen, dass gekrümmte Räume an Konzentrationspunkten extreme Pegelunterschiede erzeugen, muss man ein besonderes Augenmerk auf die Bühne richten. Die Bühne des Salls dient, so haben wir herausgefunden, als Verstärkung. Die Rückwand ist eine gleichbleibend gekrümmte Fläche. Diese gibt dadurch eine gebündelte horizontale Wellenfront ab, die das Publikum mit einem gewissen Krümmungsgrad erreicht. Um (bei dieser akustischen Energie-Konzentration sehr wichtig) keine Raummode entstehen zu lassen, muss die Rückwand einen hohen Absorptionsgrad aufweisen – gerade an der Stelle, die sich parallel zur Mitte der Bühne befindet. Man kann dieses Prinzip grob mit dem LEDE-Aufbau eines Abhörraumes vergleichen.

Über der Bühne hängen zwei Segel, die auf die untere mittige Publikumsfläche strahlen. Diese sind so ausgerichtet, dass die ersten Reflexionen die mittig- und hinten-positionierten Besucher auf dem Parkett erreichen. Dies ist nach Ahnert & Tennhardt wünschenswert. Nach unserer Annahme, ist das Segel zuständig für die ersten Reflexionen auf dem Parkett – also unverzichtbar für den räumlichen Eindruck.

Wenn man sich den Grundriss vor Augen führt sieht man also, dass all die Akustik, die hier entsteht, gebündelt in den Raum abgegeben wird. Der Raum erzielt demnach hohe Pegel. Wenn etwas auf der Bühne dargeboten wird müsste eine Beschallungsanlage vermutlich nicht unbedingt zum Einsatz kommen. Diese Annahme deckt sich mit unseren subjektiven Beobachtungen.

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