Der alte kanadische Haudegen Neil Young hat ein Problem mit digitaler Musik. Daraus macht er keinen Hehl, denn er schimpft auf MP3s und will die Platte am liebsten zurück haben. Nun will er mit seinem Pono-Player dafür sorgen, dass sich gute Soundqualität wieder durchsetzt, denn nach seiner Meinung klingen MP3s grauenvoll. Ich werde dem Ganzen mal auf dem Grund gehen. 

Zunächst möchte ich Neil Young Recht geben. Die Soundqualität ist heutzutage nicht besser. Das ist meiner Meinung nach zum einen eine Generationsfrage und zum anderen einer gewissen Bequemlichkeit geschuldet. Man hinterfragt nicht, was das Downloadportal für eine Qualität anbietet – es ist ja schließlich alles so einfach geworden, dass man sich da gar keinen Kopf drum machen muss.
Es gibt genügend junge Leute mit iPhones, die Musik über die eingebauten Lautsprecher hören, die sich lieber bei YouTube die Tonspur als MP3 konvertieren und für die iTunes der einzige Verkaufskanal für Musik ist. All diese Dinge berücksichtigen nicht die Qualität der Musik. Dass iPhone-Lautsprecher für Musik grauenvoll sind, ist klar. Wie soll aus den Dingern ein Bass herauskommen können? Bei YouTube wird als Standard AAC 128 kbit/s verwendet. Das ist übrigens die gleiche Qualität, die iTunes anfangs angeboten hat. Es gibt jedoch inzwischen iTunes Plus, das mit der doppelten Bitrate glänzt. Nichtsdestotrotz ist AAC ein verlustbehafteter Codec, so dass auf jeden Fall etwas (ob man das nun hören kann, darüber lässt sich streiten und das Thema will ich hier jetzt nicht anfangen) verloren geht.

Das ist wohl auch das Problem, was Neil Young und seine Freunde haben. Deswegen hat er eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Sein Ziel: Die gute altbekannte Musikqualität wieder in die Gegenwart holen. Klingt an sich sehr gut. Dafür hat er Pono gegründet. Das ist unter anderem ein tragbares digitales Abspielgerät für Musik. Das ist aber nicht alles. Pono hat seinen eigenen Online-Store, bei dem man die Musik kaufen kann. Pono bildet dadurch ein “end-to-end ecosystem for music lovers to get access to and enjoy their favorite music in the highest resolution possible for that song or album”, wie es auf der Website heißt. Also ähnlich wie iTunes inklusive iTunes Store. Bei der Kickstarter-Kampagne sind viele bekannte Gesichter zu sehen, die erzählen wie unfassbar gut Musik über Pono klinge. Hier ein paar Auszüge:

“It’s starting to sound like a really amazing warm, dynamic analog recording” – Chris Robinson (The Black Crowes)

“I haven’t heard a sound like that since vinyl” – Elton John

“[Pono] creates a very warm analog sound” – Bruce Springsteen

“And there is a dynamic. It doesn’t seem like it hits a wall.” – Dave Matthews

“The sound is just so warm.” – Patti Smith

“It sounded more analog.” – Anthony Kiedis (Red Hot Chilli Peppers)

“The thing that amazes me is […] the width of the stereo field. That was a real suprising difference – how wide the stereo image was” – Justin Meldal-Johnsen (Produzent, u.a. Tegan and Sara, Touring-Bassist Nine Inch Nails)

“This is going to be a huge breakthrough in terms of sound technology.” – Mo Ostin

Also erstmal sind natürlich alle begeistert. Und was auffällt ist, dass viele von einem warmen analogen Klang reden. Elton John zieht einen Vergleiche zur Platte (natürlich analog) und man redet von einem Durchbruch in der Audio-Technologie (Mo Ostin). Besonders interessant finde ich, dass der Produzent (ich möchte nochmals hervorheben! Er ist Produzent!) ein breiteres Stereobild wahrgenommen haben möchte. Arbeiten wir die Punkte also mal ab.

warmer analoger Klang

Wie klingt eigentlich ein warmer Klang? Wer mir das sagen kann, bekommt von mir wirklich ein High-Five, dass sich gewaschen hat. Wie kommt man darauf warm zu sagen für ein akustisches Ereignis? Musik ist doch kein Kuchen. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Röhrentechnologie so warm geglüht hat? Ich weiß es nicht…
Nun zur zweiten Frage. Wie klingt eigentlich ein analoger Klang? Analog bedeutet nur, dass etwas stufenlos, quasi lückenlos ist. Eine analoge Uhr ist analog, weil der Zeiger alle Zustände durchfährt (auch 13:04 und 1,2472027167s), während die digitale Uhr auf etwas (irrelevantes) verzichtet (13:04 und 1s). Wie klingt nun die Lückenlosigkeit? Ich weiß es nicht…

Zu oft hört man Analog-Spezialisten, genau diese Wörter sagen. Oder auch: Analog klingt runder und digital so eckig. Wie klingt rund und wie klingt eckig? Ja – auch das weiß ich nicht…

Digitalisierung bedeutet eine Diskretisierung. Das spiegelt sich in Samples wieder, die zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten Wert haben. Wenn man korrekt digitalisiert, entsteht dadurch kein Verlust, wie manche es meinen. Das Signal kann exakt nachgebildet und durch den DAC wieder analog ausgegeben werden. Natürlich kann der ADC und  der DAC einen Einfluss darauf nehmen und das Signal manipulieren – das kann kein digitales Format umgehen. Auch nicht der Pono-Player, dessen DAC laut Website einer der bestklingendsten sein soll (“DAC (Digital-to-Analog Converter) chip being used is widely recognized in the audio and engineering community as one of the best sounding DAC chips available today”).

Das Prinzip der Digitalisierung greift letzten Endes auf Fourier und Nyquist zurück. Wenn man die höchstvorkommende Frequenz kennt, kann man das Signal verlustfrei digitalisieren (Nyquist-Shannon-Theorem). Damit ist bewiesen, dass prinzipiell bei der Digitalisierung keine Qualitätsminderung entsteht (wenn man es richtig macht). Man muss auf die ADCs und DACs achten, denn diese können das Signal erheblich beeinflussen. Analog klingt also nicht besser als Digital! Eine Schallplatte klingt nicht besser als eine CD! An sich ein Unding, dass so viele Musiker unwissend darüber reden und ihr Gesicht dafür hergeben.

Durchbruch in der Audio-Technologie

Ein Durchbruch in der Audio-Technologie? Hohe Abtastraten und feine Quantisierungsstufen werden seit langer Zeit benutzt. Der Pono-Player ist absolut kein Durchbruch in der Audio-Technologie. Das Gleiche hat schon der Colorfly C4 Pro versucht. Dieser ist noch teurer und hat auch extra einen analogen Look bekommen. Dass mobile Geräte bisher von Oversampling eher weniger Gebrauch gemacht haben, ist korrekt. Aber ein Durchbruch ist und bleibt es nicht.

Stereobreite

Das war für mich echt der Knaller. Der Produzent nimmt also einen breiteren Stereoklang wahr, als er Pono hörte. Er sagt im Umkehrschluss also, dass andere Formate die Stereobreite nicht so wiedergeben können wie Pono. Die Stereobreite eines Signals ist breit, wenn die verschiedenen vorliegenden Kanäle unkorreliert sind. Das hat nicht unbedingt mit einem Audioformat zu tun (abgesehen von einigen lossy Formaten, die M/S-Codierungsreduzierungen vornehmen – bei MP3 übrigens verlustfrei, es wird nur teilweise M/S-codiert, jedoch nicht reduziert). Es geht darum, welches Signal zu welcher Zeit aus welchem Lautsprecher kommt – Pono hat damit nichts zu tun! Unglaublich, dass ein Produzent so etwas von sich gibt…

Fazit

Pono soll anscheinend ganz viel Geld einbringen. Man probiert die Leute daran zu erinnern, wie gut früher alles klang (angeblich). Das liegt wohl aber daran, das man früher eher Geld in die Musikanlage gesteckt hat, als in ein Handy. Die Prioritäten haben sich, so mein Eindruck, verschoben. Dass dieser Player nun eine Revolution darstellt ist Humbug und fällt nur durch seinen berühmten Erfinder auf.

14 comments on “Pono – Oh No!

  • Super Artikel. Gut recherchiert und das ganze auch noch vorbildlich geschrieben. Danke!

    Wird übrigens irgendwo angegeben WOMIT die Stars denn nun dem so unglaublichen Klang lauschen. Studio-Kopfhörer, Boxen oder etwa mit BEATS-Kopfhörern, die ja ach soooo toll klingen?
    Naja für 400$ kriege ich AKG- oder Sennheiser-Kopfhörer. Und mein Handy spielt auch WAV-Dateien ab. Und Stereo isses auch. 😉

    Aber ist ne schöne Abzocke für Audiophile. Schließlich muss man sich ja jedes Album erneut kaufen. Da bleib ich lieber bei meinem Vinyl, da habe ich sogar meistens noch ein schönes Cover. Digitalisieren kann man dann immer noch.

  • Hi, Dennis, danke für diesen sachlichen und kompetenten Artikel. Ich bin schon seit Jahrzehnten Neil Young-begeistert und habe gerade sein Buch “Ein Hippietraum” gelesen. Da dort sehr oft und offensichtlich von seinem Projekt PureTone (jetzt pono) geredet wird, hatte ich schon zeitweilig das Gefühl, hier wird starkes Marketing betrieben. Dem ist wohl auch so. Nun hat mich natürlich interessiert, was dahinter steckt. Da ich um das mitunter verbohrte und sehr eigensinnige Verhalten von NY weiß, hatte ich von dieser Seite auch keine sachliche Info erwartet. Um so mehr habe ich mich über deinen Artikel gefreut. Hut ab und nochmals Dank!
    Peter

    • Hey Peter,

      es freut mich sehr, dass dir der Artikel geholfen hat. Ich bin (noch) nicht zu sehr auf die technischen Aspekte eingegangen (Nachrichtentechnik, digitale Systeme, Perzeption). Das werde ich, wenn Interesse besteht, nachholen. Aber, dass NY hier Marketing betreibt ist offensichtlich.
      Vielen Dank für deine Rückmeldung!
      Beste Grüße

  • Wer will heute noch nur 500 Alben? Und wo soll das dicke Ding hin?

    Das Dämlichste ist aber der Name, zumindest für Deutsche: Ich lese dauernd “Porno”, zumal bei dem Titel dieses Posts. Andere sicher auch, die geben es nur nicht zu 😀

  • “Damit ist bewiesen, dass prinzipiell bei der Digitalisierung keine Qualitätsminderung entsteht”, dass ist falsch. Glaube einem Dipl.-Ing., der sich auf Schall- und Strukturanalyse spezialisiert hat. Es entstehen Oberwellen, die eine Verschlechterung der Qualität zur Folge haben. Auch der Rest deiner Abhandlung ist nicht wissenschaftlich recherchiert und nicht haltbar, so hat Fourier z.B. nix mit Digitalisierung, sehr wohl aber was mit Frequenzanalyse zu tun. Fazit: Nicht immer alles glauben, was in der Wikipedia steht!

    • Hallo Mick,

      bei den Oberwellen, die du anführst, gehst du von den Harmonischen aus, die auch über 20 kHz liegen? Könntest du das bitte genauer erläutern? Nur mit “Oberwellen, die eine Verschlechterung der Qualität zur Folge haben” kann ich sonst nicht fiel anfangen, geschweige denn daraus lernen.
      Mein Ziel war es nicht einen wissenschaftlichen Bericht zu verfassen, sondern diese Kampagne von Neil Young kritisch zu beleuchten. Dabei gehe ich auf wissenschaftliche Prinzipien ein.
      Zu Fourier:
      Als Fourier herausfand, dass Signale durch eine Vielzahl von Sinus-/Kosinunsfunktionen darstellbar sind, konnte man natürlich nicht an Digitalisierungen denken (war ja auch im Jahr 1822). Aber man kann mithilfe von Fourier das Abtasttheorem sehr gut verstehen. So brauch man “nur” zwei diskrete Werte um einen Sinus/Kosinus (mit ihrer Frequenz) zu identifizieren (außer man trifft genau die Nullstellen). Daraus folgt: Doppelte Frequenz für das Abtasten –> um das Nullstellen-Problem zu umgehen, also etwas mehr als das Doppelte. Das ist der Grund, warum ich Fourier aufgeführt habe. Ich gebe zu, dass das aus meinem Text nicht ersichtlich ist – Sorry.

      Und auch wenn du Dipl.-Ing. bist – nimm es mir bitte nicht übel – aber das allein ist kein Grund, dass du deswegen automatisch Recht hast. Ich studiere (wie du vielleicht gesehen hast) auch und spezialisiere mich auf Audio. Wenn du sagst, dass meine These falsch ist, dann sag mir doch bitte genau was falsch ist (“Oberwellen”?!). Denn, das wirst du selber wissen, etwas als falsch hinzustellen ohne es zu korrigieren, ist auch nicht wissenschaftlich. Ich würde mich freuen, wenn du antwortest!

      Meinen Text als nicht wissenschaftlich zu kritisieren finde ich korrekt, denn das war auch nicht das Ziel.

      Beste Grüße

    • Achso – und noch etwas.
      Mir zu unterstellen ich würde mein Wissen nur aus Wikipedia ziehen und das einfach so hinnehmen, ist fast schon unverschämt. Aber lassen wir das nun mal außen vor…

      • i. auf http://www.neuerdings.com hast du gepostet: “Ich habe da mal etwas geschrieben… Das ist der größte Quatsch!”. Nach so einer Äußerung kannst du nicht erwarten das du für voll genommen und mit dir auf wissenschaftlichem Nievau diskutiert wird.

        ii. es ist nicht meine Aufgabe jedem Anfänger die Grundlagen zu erklären, wenn etwas falsch ist kann ich dir nur raten es besser zu lernen und mit einem bestandenem Diplom zu beweisen das du es verstanden hat.

        iii. Pono wurde auf Kickstarter mit mehr als 18.000 Backern und über 6,2 Mio US$ gestartet. Auf dieser Seite sehe ich drei zustimmende Kommentare, einer davon grenzdebil.

        iv. du solltest schnellstens diese Seite löschen, wenn ein Personalchef beim googlen darüber stolpert wirst du niemals ein Arbeitsplatzangebot bekommen.

      • i. auf http://www.neuerdings.com hast du gepostet: “Ich habe da mal etwas geschrieben… Das ist der größte Quatsch!”. Nach so einer Äußerung kannst du nicht erwarten das du für voll genommen und mit dir auf wissenschaftlichem Nievau diskutiert wird.

        ii. es ist nicht meine Aufgabe jedem Anfänger die Grundlagen zu erklären, wenn etwas falsch ist kann ich dir nur raten es besser zu lernen und mit einem bestandenem Diplom zu beweisen das du es verstanden hat.

        iii. Pono wurde auf Kickstarter mit mehr als 18.000 Backern und über 6,2 Mio US$ gestartet. Auf dieser Seite sehe ich drei zustimmende Kommentare, einer davon grenzdebil.

        iv. du solltest schnellstens diese Seite löschen, wenn ein Personalchef beim googlen darüber stolpert wirst du niemals ein Arbeitsplatzangebot bekommen.

        • Zu 1.
          Ich wusste gar nicht, dass neuerdings.com die Website der wissenschaftlichen Artikel ist?! Hätte ich dies gewusst, hätte ich meinen Text natürlich dem Niveau angepasst. Aber keine Sorge lieber Mick – ich bin schon dabei neue Artikel zu verfassen, die sich mit dem Thema “Digitizing” beschäftigen und wissenschaftlich sind.

          Zu 2.
          Deine Aufgabe ist es nicht. ABER wissenschaftlich ist es – wie bereits zuvor erwähnt – auch nicht, Artikel als falsch darzustellen ohne eine Begründung zu präsentieren.
          Ich weiß, dass ich einige Sachen nicht ausführlich genug beschrieben habe, aber das korrigiere ich im Moment. Ich werde hier auf meiner Website eine kleine Serie veröffentlichen, die die Signalverarbeitungsprozesse detaillierter erklären.

          Ein Diplom gibt es gar nicht mehr und ist auch kein Beweis für Kompetenz.

          Übrigens: Angesehene Professoren, wie Thomas Görne & Robert Mores, sind der Meinung, die ich auch teile. Es gibt keinen wahrnehmbaren Unterschied zwischen digital/analog. Dazu später mehr.

          Um meine Meinung zu stützen ein wissenschaftlicher Artikel aus dem AES-Journal:
          Audibility of a CD-Standard A/DA/A Loop Inserted into High-Resolution Audio Playback
          “The subjects included professional recording engineers, students in
          a university recording program, and dedicated audiophiles. The test results show that the
          CD-quality A/D/A loop was undetectable at normal-to-loud listening levels, by any of the
          subjects, on any of the playback systems.”

          Zu 3.
          Du hast die Message des Artikels offensichtlich nicht verstanden. Genau das kritisiere ich. Deine ausufernden Kommentare gegenüber anderer werde ich nicht mehr billigen. Wenn du konstruktiv zur Diskussion beiträgst gerne – trolling nicht.

          Zu 4.
          Deine Tipps sind Gold wert. Ich bin selbstständig.

  • Gleich vorweg, ich bin technisch in Sachen Audio und Komprimierung praktisch null bewandert. Mein Sichtweise ist somit die eines Musikliebhabers, der über Jahrzehnte mit anschauen musste, wie ganze Generationen die inflationäre Nutzung von Musik in einer schlechten Qualität als gegeben hinnehmen. Geht es denn heute wirklich noch um Klang und um Musik als bewusstes Erlebnis? Vom Bezug des Zuhörers zum Künstler mag man heute ja fast nicht mehr sprechen. Bei den meisten Menschen unter 30 habe ich in der Mehrheit nicht das Gefühl. Es gilt eher möglichst viel, möglichst aktuell zum günstigen Preis (oder auch gerne mal umsonst) irgendwo mobil mit sich rumschleppen zu können, der Sound und das Erlebnis beim hören ist dabei völlig nebensächlich.

    Das Auftreten von NY und dem Projekt Pono mag aus technischer Sicht nicht revolutionär sein und ggf. seine Schwächen haben, aber wenn nur ein kleiner Prozentsatz der heranwachsenden Musikfans sich wegen Pono mit Sound, Authentizität und am Ende vielleicht sogar noch mit dem Künstler auseinandersetzt, dann danke ich Neil Young von Herzen für seinen verbitterten Kampf!

    Ich benutze bei analogem Sound auch gerne solche Wörter wie “rund” oder “warm” und nein, genau beschreiben kann ich es auch nicht. Es ist mehr ein Gefühl welches da übermittelt wird und damit sind wir glaube ich dann auch beim Kern der Sache. Musik soll uns ein Gefühl vermitteln und ich denke ein ganz bewusstes konsumieren gehört absolut dazu. Bezüglich Sound ist mir letztens wieder aufgefallen, wie schlecht doch die Digitalisierung von Supertramps “live in Paris” auf CD im Verhältnis zu Platte gelungen ist. Meiner Meinung nach ein klirrender Sound (wieder so ein Wort!), der niemals an die Platte rankommt. Und ich rede hier nicht von einer sündhaft teuren Anlage, sondern einer ganz einfachen Kombi für den Hausgebrauch.

    Und nein, ich bin kein Analog Nerd der nur Platte hört. Ich bin sehr froh darüber, im Zug oder im Auto meine Lieblingsmusik übers Handy und einfache Koss In Ears hören zu können und finde das absolut ok! Aber die Auswahl der Musik habe ich sehr bewusst getroffen. Ich kenne den Namen der Band und höre mir ein Album auch komplett an oder wie man früher gesagt hat, ich “erhöre” mir ein Album, welches sich vielleicht dann eher in seine Gesamtheit erschliesst.

    Wie auch immer, wenn Pono die Leute zu einem bewussteren Umgang mit Musik verleitet, dann werde ich vielleicht irgendwann mit einem Lächeln im Zug sitzen und irgendein Kid beobachten, welches gerade Liebeskummer hat und beim Hören von U2´s “Love is Blindness” eine kleine Träne verdrückt. Beim Aussteigen frage ich dann welches Album er/sie gerade gehört hat. Und die Antwort ist dann völlig verständnislos “Na, Achtung Baby! natürlich”. :)

    • Hey storm23,

      ich finde, dass du einen guten Punkt in die Mitte der Diskussion rückst. Es geht letzten Endes um das, was man hört. Die Technik ist unabdingbar, aber sollte im Hintergrund bleiben.

      Die Beschreibungen “rund” und “warm” etc. haben sich eingebürgert. Ich möchte nur, dass man den Blick schärft. Ich als Produzent oder Engineer werde mit diesen Begriffen nicht viel anfangen können. Und wie gesagt versuche ich zu beweisen, dass an sich niemand einen Unterschied hören kann, ob die Platte abgespielt wird oder die digitalisierte Platte vom PC. Dazu später mehr (Ich bin gerade dabei eine Arbeit darüber zu schreiben).

      Übrigens “klirren” ist ein sehr präziser Ausdruck. Klirren beschreibt nicht-lineare Verzerrungen bzw. präziser: Die Harmonischen, die zuvor nicht im Signal vorhanden waren. Der Klirrfaktor ist das Verhältnis dieser Harmonischen zur Grundschwingung plus die Harmonischen.

      Übrigens höre ich genauso Musik. Der Künstler nimmt sich viel Zeit, um seine Titel zu arrangieren. Da möchte ich doch auch wissen, wieso bzw. mir Gedanken darüber machen was die “Gesamtaussage” des Albums ist.

      Cheers!

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